Anilinleder nennt man Lederarten, die nicht mit einer (farbigen) Pigmentschicht überzogen sind, sondern im Wasserbad durchgefärbt wurden. Dadurch bleibt die Oberfläche des Leders unverändert. Der Name Anilinleder kommt vom früher verwendeten Teerfarbstoff Anilin. Der Farbstoff ist jedoch giftig und wird daher schon lange nicht mehr verwendet. Der Name Anilinleder hat sich jedoch so stark im Sprachgebrauch gefestigt, dass er trotzdem weiter benutzt wird.
Im Gegensatz zu Ledern, die mit einer Pigmentfarbe gefärbt sind, erkennt man beim Anilinleder die natürliche Oberfläche und das Narbengewebe des Leders. Das Leder fühlt sich weich und etwas wachsig an und ist im Gegensatz zu pigmentgefärbtem Leder wasserdurchlässig.
Das macht das Leder zwar insgesamt empfindlicher gegenüber Sonneneinstrahlung, Feuchtigkeit und Abrieb, lässt es aber zugleich viel natürlicher und edler wirken. Taschen aus Anilinleder benötigen eine deutlich intensivere Pflege als pigmentgefärbte Taschen.
Anilinleder ist meist deutlich teurer als anderes Leder, da nur Tierhaut verwendet werden kann, die komplett frei von Narben und Unebenheiten ist. Diese entstehen zum Beispiel durch Zeckenbisse, Stiche, Brandmarken oder ähnliche Verletzungen der Tiere.
Anilinleder wird häufig auch „naturbelassenes Leder“ genannt, jedoch hat sich dieser Name nie richtig etabliert. Als Semianilinleder bezeichnet man Lederarten, auf die nur eine leichte Schicht an Pigmentfarbe aufgetragen wurde.